Historie

800 Jahre Dorfgeschichte

Berkenthin, ursprünglich Parketin, später Parkentin, wurde östlich der Stecknitz als Angerdorf gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung des Kirchspiels sowie auch des Dorfes ist auf das Zehntregister der Bischofs Gottschalk aus dem Jahr 1230 zurückzuführen. Zu „Parrochia Parketin“ gehörten 1230 die Dörfer Berkenthin, Göldenitz, Sierksrade, Hakenbek, Klempau, Wendisch (Klein) Sarau und Wendisch Berkenthin. Wendisch Berkenthin war eine von Slawen neu gegründete Siedlung am westlichen Ufer der Stecknitz, in die sie vor den von Heinrich von Badewide angeworbenen deutschen Siedlern ausgewichen sind.

Die mittelalterliche Kirche

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Historische Fresken schmücken das Innere der Berkenthiner Maria-Magdalenen-Kirche.

Aus der Sicht siedlungsgeschichtlicher Forschungen war die Kirche 1230 bereits vorhanden. Seit der 1899 durchgeführten Restaurierung zeigt sie sich mit ihren teilweise wieder entdeckten mittelalterlichen Wandmalereien als eine besonders reichhaltig ausgemalte Kirche. Sehenswert sind der Akanthusbarockaltar, die Kanzel, der Taufengel, die Maria-Magdalenen-Statue und die Westempore. Heute bildet die Kirche mit dem Stecknitzfahrer-Begräbnisplatz, dem Pastorat, der Kirchsteigbrücke, dem Kanal und der Schleuse ein in dieser Geschlossenheit einzigartiges Ensemble in der Region. Im Jahr 2008 erinnerte man sich daran, dass die Kirche im Mittelalter nach Maria-Magdalena, der Schutzheiligen der Stecknitzfahrer, benannt war, und führt seitdem wieder diesen Namen.

Mittelalterliche Handelswege

Eine historische Landkarte von Berkenthin und Umgebung
Eine historische Landkarte von Berkenthin und Umgebung

Schon im Mittelalter führten bedeutende Verkehrswege durch Berkenthin. Im Verlauf der für den Salzhandel wichtigen Stecknitz befand sich hier wohl schon vor dem Baubeginn des Stecknitzkanals im Jahr 1390 eine Stauschleuse. Bereits 1240 gestatteten die vier Brüder der Adelsfamilie von Parkentin allen Kaufleuten die Freiheit, über den ihnen zustehenden Teil der Hamburger Straße zu ziehen und ihre Güter in Berkenthin über die Stecknitz setzen zu lassen. Hierdurch erlangte diese nach Hamburg führende Straße die Bedeutung eines Frachtweges. Außerdem verlief die ältere Trasse der „Via regia“, der königlichen Heerstraße, bis 1741 von Mölln über Behlendorf durch Berkenthin nach Lübeck. Im Laufe der Jahrhunderte wurde auf der „Via regia“ auch Salz von Lüneburg nach Lübeck transportiert. Bestimmte Streckenabschnitte der historischen Straße werden deshalb noch heute als „Alte Salzstraße“ bezeichnet.

siehe auch Salz-Prahm

Adeliges Gericht und Gut

Die Familie von Parkentin bekam vom Herzog von Sachsen-Lauenburg Klein Berkenthin zum Lehen, welches ein adeliges Gericht und Gut wurde. Ein geringerer Teil Klein Berkenthins wurde an Lübeck verpfändet und blieb bis 1747 im Besitz der Hansestadt. Der Gutsbezirk bestand bis zu seinem Verkauf im Jahr 1882. Am 1. Oktober 1938 wurden die bis dahin selbständigen Dörfer Klein Berkenthin, Groß Berkenthin, Kählstorf, Göldenitz und Hollenbek zur Gemeinde Berkenthin vereinigt. Göldenitz erhielt 1951 die Selbständigkeit zurück, und Hollenbek wurde 1954 in Behlendorf eingemeindet.

Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg

Durch die Aufnahme von zeitweise mehr als 1.300 Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Zahl der Einwohner von 861 in Jahr 1939 auf 2.105 im Jahr 1946. Die Zahl der Schulkinder stieg auf 416 an. Der Unterricht fand in den vorhandenen zwei Klassenräumen, im Konfirmandensaal und in einem notdürftig hergerichteten Raum in drei Schichten statt. Erst 1954 konnte eine neue Schule in Klein Berkenthin eingeweiht werden, 1967 wurde Berkenthin zum Standort einer Dörfergemeinschaftsschule, die sich dann 2009 zur Grund- und Gemeinschaftsschule Stecknitz mit den Standorten Berkenthin und Krummesse entwickelte.

Ländlicher Zentralort

Von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung Berkenthins war 1974 die Einstufung als ländlicher Zentralort. Mit den damit zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln werden Objekte mit überörtlicher Bedeutung verwirklicht. So wurden u. a. Amtsgebäude, Schule, Turnhalle, Sportzentrum und Parkplätze finanziert.

Die Einwohnerzahl der Gemeinde sank nach der Flüchtlingswelle wieder ab, lag 1976 bei 1.143, stieg dann aber kontinuierlich wieder an und beträgt heute 2.032.

Text: Helga und Walter Koop